Aeternam spielt Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall
eine Komödie für alle, die auch noch nicht gekündigt haben

Die Bandscheiben verleihen der Wirbelsäule zugleich Stabilität und Beweglichkeit. Sie ermöglichen das, was man Haltung nennt, also das, was die Figuren im «Bandscheibenvorfall» nicht mehr haben, in dieser Komödie «für Leute mit Haltungsschäden», wie die Autorin Ingrid Lausund sie im Untertitel nennt. Das Publikum begegnet fünf Angestellten in einem Raum, in dem es eine «Tür zum Chef» und eine Kaffeemaschine gibt. Was sie arbeiten, was ihre Aufgabe ist: Man erfährt es nicht. Was man aber sieht, ist der tägliche Abnützungs- und Ausscheidungskampf dieser Human Resources. Das Stück ist ein Frontbericht aus einer Gesellschaft, in der jeder des anderen Konkurrenten ist, es ist ein Reigen hochnotkomischer Szenen aus der Faketeppich-Etage, geschrieben in einer schnellen, scharfen Hochfrequenzsprache und angerichtet in grellen, grotesken Bildern. Doch es ist nicht so, dass diese fünf Frontkämpfer nicht verzweifelt wären; nur haben sie sich längst in den Zumutungen eingerichtet, denen sie ausgesetzt sind. Denn jede Zumutung ist schliesslich auch eine Waffe, die sich gegen den Gegner richten lässt. Und so ist ihre Haltung flexibel geworden, ein Weichteil, in das sie sich treten lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Bandscheiben bestehen aus einem Bindegewebering und einem weichen, gallertartigen Kern. Reisst der Ring und treten Teile des Gallertkerns aus, spricht man von einem Bandscheibenvorfall.

 

 

  • BANDSCHEIBENVORFALL


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